Der Schatten in uns

Dieser von C.G. Jung geprägte Begriff beschreibt sehr stimmig jene verborgenen Anteile in uns, die, wie der Begriff schon sagt, im Schatten unserer Persönlichkeit liegen und für uns schwer zugänglich sind. Der Schatten symbolisiert all das, was wir nicht sein wollen, weil es nicht unserem Selbstbild entspricht und somit nicht als dazugehörig erlebt wird. Das müssen nicht zwangsläufig nur "negative" Aspekte sein, es können durchaus auch positive Eigenschaften sein, wobei Begriffe wie "positiv" und "negativ" relativ sind. Im Grunde entscheiden wir mehr oder weniger selbst, was wir an uns positiv und was wir als negativ bewerten.

 

Vielleicht ist es gut, sich noch einmal an die totale Mondfinsternis vom 27.07.2018 zu erinnern, die so viele Menschen fasziniert hatte. Dort ging es auch um den Schatten, nämlich um den Kernschatten der Erde, der den Mond allmählich verdunkelte und ihn in ein tiefes rotes Licht tauchte. So könnte man deuten, daß etwas aus dem verborgenen Bereichen des Unbewussten an die Oberfläche gebracht und sichtbar gemacht wird. Angesichts der langen Nachwirkung einer Finsternis, die mehre Monate dauern kann, ist es gut und auch notwendig, in dieser Zeit die Berühung mit dem eigenen Schatten zuzulassen.

 

Wir können uns fragen, wo wir im Leben zur Einseitigkeit neigen, so daß etwas in uns aus dem Gleichgewicht gerät. Oft erkennen wir schon an den Reaktionen unserer Mitmenschen, ob wir in einem Bereich ungewöhnlich heftig reagieren, sei es durch starke Vorwürfe, Schuldgefühlen oder mit einer unverhältnismäßigen Wut. Oft verbirgt sich darunter eine tiefe Abwehrhaltung, um etwas, was sich uns immer wieder aufdrängt, von uns fernzuhalten. Immer wenn wir extrem werden, können wir uns fragen, warum wir dazu neigen. Das Leben ist polar und besteht aus Gegensätzen. Sobald wir zu einseitig werden, konstruieren wir unbewusst einen Gegenpol, der all das beinhaltet, was wir nicht wahrhaben wollen. 

 

Unser Schatten kann im Laufe des Lebens wachsen und größer werden, wenn wir uns weigern, seine verborgene Anwesenheit anzuerkennen. Wir fürchten uns vor ihm, und genau von dieser Angst "ernährt" sich unser Schatten, so daß wir ihn unbewusst füttern und großziehen, bis es sich anfühlt, als wäre er übermächtig. Wir züchten sozusagen ein Schattengewächs, welches sich energetisch auflädt und als Parasit durchgefüttert wird. In diesem Bereich, über den wir so wenig Kontrolle habe, so lange es unbewusst bleibt, sind wir auch empfänglich für energetische Fremdeinflüsse. 

 

Dadurch, daß der Schatten über jenen Bereich in uns herrscht, den wir nicht kennen, bekommt er eine gewisse Macht über unser Leben. Diese Macht können wir ihm nur durch Bewusstwerdung entreißen. In dem wir erkennen, daß das, vor dem wir Angst haben, ein verlorener Teil von uns ist, welcher im Grunde wieder dazu gehören will, kann das eine ungeheure produktive Energie freisetzen, mit der wir bewusster unser Leben gestalten können.

 

Im Horoskop entspricht der Schatten dem 7. Haus, welches dem 1. Haus gegenüber liegt. Das macht durchaus Sinn, denn das 1. Haus steht für unsere Erscheinung und für unser Selbstbild, während das 7. Haus der Partnerschaft zugeschrieben wird. Hier gehen wir in die persönliche Beziehung zu unseren Mitmenschen und erleben diese je nach dem wie unser 7. Haus gefärbt ist. Entscheidend sind die Planeten, die dort stehen, oder, wenn keine dort stehen, das Zeichen und der dazu gehörige Herrscher. Durch diese Faktoren ist es möglich, das Partnersuchbild und das dazu gehörige Beziehungsthema zu erkennen.  

 

Unbewusst suchen wir in unserem Leben den dazugehörigen Partner, der unser 7. Haus füllt und jene nicht gelebten Anteile in unser Leben bringt. Unser Partner hält uns den Spiegel vor und konfrontiert uns mit unserem Schatten. Das führt zwangsläufig zu einer intensiven Auseinandersetzung mit uns selbst. Es benötigt Ehrlichkeit und am besten eine große Portion Lust auf Reibung, um diesen Prozeß konstruktiv zu erleben. Zermürbend ist es nur, wenn es über ständige Vorwürfe und Schuldzuweisungen nicht hinaus geht. Im Idealfall entsteht ein intensiver Entwicklungsprozeß, von dem beide gleichermaßen profitieren, so daß jeder Partner seinen Schatten Stück für Stück integrieren kann.

 

In den nächsten Wochen werden sich Gelegenheiten bieten, all die unerledigten Themen in unseren Beziehungen einen Raum zu geben. Die Venus im Skorpion verlangt nach Tiefe und Intensität, und sie schreckt auch nicht vor Macht und Tabus zurück. Am 05. Oktober wird sie rückläufig und wird noch mal zurück in die Waage wandern, also auch jene Gradzahlen berühren, die sie in dieser Woche überquert. So wird es bis in den November hinein spannungsreich bleiben und uns die Gelegenheit geben, in den Augen des "feindlichen Gegenübers" unseren Schatten zu erkennen.