Das Totenschiff

Es ist lange her, daß mich ein Film so berührt hat wie "Das Totenschiff" aus dem Jahre 1959 von Georg Tressler.

 

"Im Hafenbezirk von Antwerpen. Als der aus New Orleans stammende Matrose Philip Gale am Morgen das Bett einer Prostituierten, mit der er die vergangene Nacht verbracht hat, verlässt, hat diese nicht nur sein Geld, sondern auch sein Seefahrtbuch gestohlen. Diesen sich später tragisch auswirkenden Verlust bemerkt Gale, als er an den Kai kommt, von dem sein Schiff einige Stunden zuvor unplanmäßig abgelegt hat. Nun steht Gale ohne Papiere da, die er jedoch unbedingt benötigt, wenn er auf einem anderen Schiff anheuern will. ..."

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Totenschiff_(Film)

 

Horst Buchholz spielt in diesem Film die Hauptrolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben ist. Mit seiner Sonne im Schützen verkörpert er wunderbar den Matrosen Philip Gale, der mit einem scheinbar unerschütterlichen Selbstvertrauen den Lauf der Dinge einfach hinnimmt und ganz nach dem Motto "Wird schon" sich nicht unterkriegen läßt. Mit der Sonne im Quadrat zu Neptun spielt er den ewig Suchenden, der gar nicht weiß, wonach er sucht, und auch nicht erklären kann, welche Sehnsucht ihn eigentlich antreibt.

Mit dem Verlust der Papiere wird ihm allmählich klar, daß ihm nicht nur die Identität fehlt, sondern auch ein innerer Halt. Diesen hätte er zumindest in der Liebe erfahren können, als er die Französin Mylène kennen lernt. Als würde das Schicksal ihm noch eine Chance geben, endlich an einem Ort anzukommen. Mit Venus im Quadrat zu Uranus und in Opposition zu Pluto kannte Horst Buchholz wahrscheinlich auch die Angst vor Nähe und Bindung. So spürt auch Philip seine innere Zerrissenheit und entscheidet sich schließlich dafür, weiter zu ziehen. 

 

Was passieren kann, wenn man die Chancen im Leben nicht wahr nimmt, zeigt der weitere Verlauf des Films, als Philip sich täuschen läßt und auf einem Schiff anheuert, dessen Kapitän skruppelose Geschäfte macht. Es tut richtig weh zuzusehen, wie dieser junge sympathische Kerl trotz seiner kämpferrischen Haltung immer desillusionierter wird. Mit einer grausamen Konsequenz wird erzählt, wie der Kapitän herrschüchtig die Mannschaft des Schiffes ins Verderben reißt. Am Ende des Films treibt Philip als letzter Überlebender auf einem Stück Holz allein und verlassen durch die neptunische Welt des grenzenlosen Meeres seinem Verschwinden entgegen.

 

Für mich beschreibt dieser großartige Film sehr eindrucksvoll das Verhältnis des Menschen zu seinem Schicksal. Es gibt im Leben Momente, in denen wir die Möglichkeit haben, zu handeln und unsere Muster zu durchbrechen. Wenn wir diese Chancen ungenutzt lassen oder keine Entscheidung treffen, dann entscheidet das Schicksal für uns.

Im Grunde bringt es das Gelassenheitsgebet auf den Punkt.

 

"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

 

 

Horst Werner Buchholz, geboren am 4. Dezember 1933 in Berlin, um 05 Uhr 04
Ob die Geburtszeit stimmt, kann ich nicht im Sicherheit sagen.