Rückläufige Anekdoten

Wie immer, wenn Merkur rückläufig wird, häufen sich die Ereignisse, wo die Dinge nicht ihren gewohnten Lauf nehmen. Es ist auffallend, wie oft die Alltagsroutine zur Zeit gestört wird. Von den Kommunikationsproblemen und Mißverständnissen mal abgesehen, sind es diesmal auch wieder die anfälligen Systeme, die durch eine Störung den Fluß an Informationen und auch den Verkehr behindern.

 

- Als ich im Supermarkt in einer langen Schlange stand und endlich dran kam, fiel die Kasse aus.

- Ein erwartetes Geburtstagspaket ist nicht bei uns angekommen und bleibt spurlos verschwunden.

- Auf dem Weihnachtsmarkt wollte ich mit meinem Sohn Karussell fahren, aber ein Stromausfall kam uns zuvor.

- In einem Parkhaus öffneten sich die Schranken nicht mehr, so daß keiner mit dem Auto heraus kam.

- Vor einigen Tagen wollte ich skypen, aber die Verbindung klappte erst nach einer halben Stunde.

 

Was passieren kann, wenn während der Versendung eines Paketes Merkur rückläufig wird, zeigt das unten abgebildete Protokoll einer Sendungsverfolgung. Knapp zwei Wochen irrte mein versendetes Paket zwischen zwei Paketzentren hin und her, bis eines Abends zu später Stunde ein sichtlich erschöpfter Paketzusteller mir mitteilte, daß er mein Paket aus Versehen bei einem anderen Nachbar zugestellt hätte.

Heute (20.12.) war in den Nachrichten eine Meldung, daß die Sendungsverfolgung von DHL durch eine technische Störung vorübergehend nicht mehr erreichbar sei.

 

Wie sehr ein rückläufiger Merkur auch kollektiv verwirren kann, wenn er noch zusätzlich im Quadrat zu Neptun steht, durfte ich erfahren, als ich ein Weihnachtskonzert in der Rendsburger Marienkirche besuchte. Als die Musik endete und der Dirigent mit seinem Orchester und seinem Chor regungslos auf das erste Händeklatschen wartete, blieb der Applaus einfach aus. Es gab eine gefühlt endlose Stille, in der die kollektive Verwirrung so stark zu spüren war, daß sich Orchester und Publikum gegegnseitig anstarrten. Anscheinend wußte niemand, ob er jetzt klatschen sollte oder nicht. Es war, als würde jeder auf die erste Reaktion des Anderen warten, um endlich Klarheit darüber zu bekommen, was jetzt zu tun sei. Es vergingen mindestens 20 Sekunden, bevor schließlich der Erste aus seiner seeligen Verwirrung erwachte und zu klatschen begann. Dass die Verzögerung nichts mit mangelnder Begeisterung zu tun hatte, bewies der lang anhaltende und tosende Applaus, der endlich erfolgte und das Orchester aus seiner Erstarrung befreite.